DeNie's - Fourth planetary page of planet Venus
- The ashen light - Das aschgraue Licht -


Astronomical tour - Astronomische Reise

Einleitung - introductions

Das "aschgraue" oder auch "sekundäre" Licht des Planeten Venus ist ein bemerkenswertes Phänomen. Es ist ein schwaches Leuchten auf der Nachtseite des Planeten, ähnlich der Erscheinung des "Erdlichtes" auf dem Mond. Nur zwischen dem "Erdlicht" des Mondes und dem "aschgrauen" Licht des Planeten Venus besteht ein großer Unterschied, während wir für das "Erdlicht" auf dem Mond deren Ursache sehr genau kennen, nämlich die Reflexion des Lichtes der Sonne an der Erde, ist das Phänomen "aschgraues" Licht des Planeten Venus von anderer Natur und gibt der Planetenforschung noch Fragen auf.

Trotz der vielen Ergebnisse durch die erdgebundene Beobachtung, den Messungen von sowjetischen und amerikanischen Raumsonden, die unser Wissen über den Planeten Venus insgesamt erheblich erweitert haben, wissen wir jedoch über das "aschgraue" Licht der Venus relativ sehr wenig.

Daher wurde in 1987 ein weltweites Programm gestartes, bei dem Amateur - und Fachastronomen der University of California, Los Angeles (UCLA), des National Laboratory Los Alamos und der überregionalen amateurastronomischen Vereinigungen zusammengearbeitet haben, um die Ursache des Phänomens des "aschgrauen" Lichtes des Planeten Venus auf den Grund zu kommen. Den Amateurastronomen oblag es, den Planeten Venus von der Erde aus zu beobachten und zwar möglichst lückenlos und die Fachastronomen nutzten die noch funktionsfähigen Geräte des Pioneer-Venus-Orbiters. Der noch bis 1992 betrieben werden konnte, bevor er in der Atmosphäre des Planeten Venus verglühte.

Überblick der bisherigen Beobachtungen - History of the observations

Im Jahre 1643 berichtete der italienische Astronom Riccioli als erster über eine merkwürdige Erscheinung beim Planeten Venus. Die unbeleuchtete Seite (Nachtseite) des Planeten Venus zeigte bei etwa der gleichen Phase wie der Erdmond eine Aufhellung die dem "Erdlicht" des Mondes sehr ähnlich war, nämlich das "aschgraues" Licht.
Weitere Beobachtungen folgten, wie in Tabelle 1 angegeben in den folgenden Jahres von den verschiedensten Beobachtern. Doch recht selten wurden Besonderheiten wahrgenommen, sowie bei den Beobachtungen von Vogel u. Lohse (1871), welche das "aschgraue" Licht des Planeten Venus an verschiedenen Tagen erkannten und bemerkten, daß sich das "aschgraue" Licht nicht immer über die gesamte Nachtseite des Planeten Venus ausdehnte, sondern nur etwa 30° - 40° weit weg vom Terminator (Lichtgrenze).

Tabelle 1: Überblick über die Beobachtungen des "aschgrauen" Lichtes

Bis 1990Seit 1990
JahrBeobachterJahrBeobachter
1643Riccioli1948Pocher, Pflug, Schirdewahn
1714Derham1949Pocher, Pflug, Schirdewahn
1715Derham1956Observers of the BAA
1721Christfried Kirch1957Observers of the BAA
1725Christfried Kirch1958Observers of the BAA
1759A.Mayer1968Observers of the BAA
1796von Hahn, William Herschel1969Observers of the BAA
1806Harding, Schröter1977Klaus-Dieter Kalauch
1825Franz von Paula Gruithausien1983Heinz Freydank
1865Engelmann1985D.Niechoy, C.Lüter
1871Winnecke, Vogel, Lohse1986H.Freydank, D.H.Lorenzen, observers of the BAA
1883Zenger1988Observers of the BAA and the Vereinigung der Sternfreunde e.V.

Ähnliche Beboachtungen findet man in neueren Beobachtungen. Die Amateurastronomen Schirdewahn, K.Pflung und H.Freydank haben das "aschgraue" Licht des Planeten Venus ebenfalls nur teilweise auf der Nachtseite des Planeten wahrgenommen. Eine Ausmessung der vorliegenden Skizzen ergab bei K.Pflug eine Ausdehnung des "aschgrauen" Lichtes vn 50° und bei H.Freydank von 55° - 65°, wobei Schirdewahn das "aschgraue" Licht als eine gesprenkelte Erscheinung beschrieb. Vergleiche Abbildung 1a - 1d.


Daten der Abbildung:
1a = 27.07.1948, 01.50 UT, K.Pflug, AL teilweise und schwach wahrzunehmen.
1b = 25.09.1983, 03.00 UT, H.Freydank, Blaufilter, AL teilweise.
1c = 11.08.1986, 18.15 UT, H.Freydank, AL teilweise, Farbe dunkelviolett.
1d = 11.09.1986, 17.40 UT, H.Freydank, AL kreisförmig, Farbe purpurgrau.

In den Jahren 1983 und 1986 berichtete H.Freydank von einer farblichen Wahrnehmung des "aschgrauen" Lichts beim Planeten Venus. Das "aschgraue" Licht erschien in den Farben braunrot, purpurrot und violett. Bei Beobachtungen von D.Niechoy, erschien das "aschgraue" Licht in den Farben rötlich-braun (ohne Filter, mit rot- u. gelb Filter), dunkelgrau bis graublau (im Blau- u. Grünfilter) und im Violettfilter schlicht blaülich, wobei festzustellen ist, daß eine Beeinflussung durch den gerade benutzten Farbfilter nicht immer auszuschließen ist.

Auftreten des "aschgrauen" Lichtes

Mitglieder der British Astronomical Association (BAA) berichteten während der Venus - Abendsichtbarkeiten von 1956 und 1957 - 1958 häufig davon, daß sie das "aschgraue" Licht wahrnahmen, wenn sich die Sonnenaktivität ihrem Maximum näherte. Bei der Morgensichtbarkeit von 1968 - 1969, also während des nächsten Sonnenmaxima, wurden dagegen nur wenige Beobachtungen vom "aschgrauen" Licht gemacht.

Seit 1959 wurde das "aschgraue" Licht des Planeten Venus nur noch gelegentlich beobachtet. Was zum einen daran gelegen hat, daß das Interesse an erdgebundenen Beobachtungen vom Planeten Venus durch die neuen Möglichkeiten der wissenschaftlichen Forschung nachgelassen hat, so daß auf dem Gebiet nur noch wenige Amateurastronomen aktiv tätig sind.

Auf Grund von Beobachtungen in der Zeit von 1963 - 1965 vermutete W.W.Spangenberg, daß die Erscheinung des "aschgrauen" Lichtes der Venus mit 2-zöllingen Teleskopen deutlicher zu sehen sei als mit einem 5-zöller. Nach Auffassung der Venus-Section der Association of Lunar and Planetary Observers(A.L.P.O.) tritt bei Beobachtungen mit kleinen Teleskopen oder bei der Verwendung kleiner Vergrößerungen häufiger der Eindruck des "aschgrauen" Lichts auf, was oft auf eine optische Täuschung zurückzuführen ist. Da sowohl bei kleinen Teleskopen wie auch bei kleinen Vergrößerungen der Kontrast zwischen dem Himmelshintergrund und dem sichtbaren Planetenscheibchen überdeutlich ist, was daß menschliche Auge dazu verführt ganze und klare geometrische Formen zu erkennen. Eigentlich ist es kein erkennen im Sinne von Sehen, sondern der Folgeprozeß im menschlichen Gehirn, daß z.B. fehlende Muster oder Formen ergänzt, auch wenn sie nicht wirklich vorhanden sind.

Aus diesem Grunde wird empfohlen bei der Beobachtung des Planeten Venus mit unterschiedlichen Vergrößerungen zu arbeiten, um den Eindruck der Aufhellung der unbeleuchteten Seite bestätigen zu lassen. Den Beobachtungen die an unterschiedlichen Teleskopen mit unterschiedlichen Vergrößerungen durchgeführt wurden haben gezeigt, daß die Erscheinung der "aschgrauen" Lichts sich auch bei den höheren Vergrößerungen zeigt, wenn auch nicht so extem Überdeutlich wie bei kleinen Vergrößerungen.

Mögliche Erklärungen, ein historischer Rückblick. - History view of ashen light.

Überlegungen die das Phänomen "aschgraues" Licht des Planeten Venus erklärten gab es viele, so war beispielsweise zuerst von phosphoreszierenden Ozeanen oder vom Abbrennen großer Urwälder, um mehr anbaufähiges Land zu gewinnen oder gar von einer künstlichen Beleuchtung auf dem Planeten durch mögliche Venus-Bewohner die Rede.

Bei Beobachtungen in neuerer Zeit, einschließlich der erdgebundenen Spektroskopie von Newkirk 1959 oder Levine 1962, stellte sich eine bestehenden Wechselwirkung zwischen dem Auftreten des "aschgrauen" Lichts und der geomagnetischen Aktivität der Erde heraus.
Levine's Vorschlag für die Entstehung der Erscheinung des "aschgrauen" Lichts war die der angeregten Sonnenteilchen.

In den letzten Jahren, als der Vulkanismus auf der Venusoberfläche und die elektrischen Entladungen (Blitze) in den unteren Atmosphärenschichten des Planeten Venus erkannt wurden, glaubte man die Urschae gefunden zu haben.

Der sowjetischen Astronom N.Kosyrew sah die Ursache für die Entstehung des "aschgrauen" Lichts des Planeten Venus in solchen starken Gewittertätigkeiten, so daß eine Art von Dauerbeleuchtung entsteht.

Im Verlauf der Jahre, als die sowjetischen und amerikanischen Raumsonden die Venus umkreisten und auf der Oberfläche landeten, wurden tätsächlich elektromagnetische Impulse empfangen, die allerdings nur auf der Nschtseite auftraten.
So wurde die Vermutung, daß der Vulkanismus die Ursache für das "aschgraue" Licht ist , auch von anderen sowjetischen Wissenschaftlern vertreten, da es als wissenschaftlich erwiesen ist, daß Blitze bei Vulkanausbrüchen zu beobachten waren, wie es z.B. beim Ausbruch des Mount St.Helens der Fall war.

Weitere Beachtung findet die letzte Vermutung auch darin, daß weitere wichtige Eigenschaften zusammentreffen. Einmal weil die Venus während ihrer unteren Konjunktion der Erde immer dieselben Oberflächenformationen zuwendet, wie es von erdgebundnen Radarbeobachtungen bekannt ist und die duch die Raumsonden bestätigt wurden.
Anderseits durch die elektrischen Entladungen die überwiegend auf der Nachtseite auftreten und im weiteren die Vulkanverdächtigen Gebiete auf der Venus-Oberfläche, wie die Beta- und Phoebe-Region oder dem Kontinent Aphrodite Terra. In allen Gebieten vermutet man noch aktive Vulkane, die leider von der Erde aus nicht zu sehen sind.

Von E.Mädlow wird auch die Möglichkeit von Rekombinations-Leuchtens des molekularen Sauerstoffs, der auf der Tagseite durch die Sonnenbestrahlung ionisiert wurde und im Rahmen der 4-tägigen Rotation der oberen Atmosphärenschichten auf die Nachtseite gerät als eine durchaus plausible Erklärung vorgeschlagen. Zumal auch der erforderliche Sauerstoff durch Photodissoziation des Kohlendioxids zur Verfügung steht. So gibt es gegenwärtig vier Theorien für die Erklärung des "aschgrauen" Lichts auf der Venus, die man mit Hilfe der internationalen Zusammenarbeit verschiedenster Beobachtergruppen zu lösen versucht:
1. Es ist eine phantasievolle Vorstellung der Beobachter.
2. Es ist ein dem Nordlicht ähnlicher Effekt, desen Ursache im Bombardement von geladenen Teilchen auf die Venus-Atmosphäre zu suchen ist.
3. Es sind Blitze in der Venus-Atmosphäre, die auf Gewittertätigkeit oder Vulkanismus schließen lassen.
4. Es handelt sich um eine Art von Rekombinationleuchten.

Beobachtungshinweise

Die beste Zeit für eine Beobachtung des "aschgrauen" Lichts des Planeten Venus ist zwischen der unteren Konjunktion sowie kurz vor bzw. nach der größten Elongation, wenn der Wert der Phase des Planeten Venus, der unbeleuchtete Teil, gerade die 40 ° und größer erreicht hat.
Wichtige Hinweise für das "aschgraue" Licht sind vorallem die Merkmale auf der Nachtseite des Planeten, die an den Hörnerspitzen und am dunklen Dämmerungsaum zu finden sind.
Das wahre "aschgraue" Licht ist meist ein sehr feines Leuchten. Er erscheint manchmal gleichmäßig und bedeckt den gesamten beobachtbaren Teil der unbeleuchteten Seite des Planeten, tritt aber zuweilen auch örtlich begrenzt oder gesprenkelt über die Nachtseite verteilt auf.

Weitere Phänomene, die manchmal beobachtet werden und von Bedeutung sein könnten, sind, daß die Nachtseie des Planeten manchmal dunkler als der Himmelshintergund erschient oder daß bei einem kleinen Phasenwinkel die Hörnespitzen oft ausgedehnt erscheinen, so daß sie die gesamte Nachtseite umfassen.

Häufig wird das "aschgraue" Licht auf der dunklen Seite des Planeten gesehen, wenn gleichzeitig die sonnenbeschienene Sichel betrachtet wird. Offenbar handelt es sich dabei um eine optische Täuschung, daher sollte man bei der weiteren Beobachtung ein "occulting bar" oder einen Filter und verschiedene Vergrößerungen benutzen, damit die Helligkeit der hellen Sichel und der starke Kontrast zwischen beleuchteten und unbeleuchteten Teil vermindert wird.

Bei der Beobachtung mit Filtern ist der Gebrauch von Filtergläsern oder -folien zu empfehlen, die blaues oder purpurrotes Licht durchlassen, aber grünes unbedingt unterdrücken.


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© by Detlev Niechoy
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Start 27.04.1998 - update 16.January/Januar 2012